• Karma-Klaus

Karma-Klaus erzählt ...

Die Diskussion über ein hundegerechtes Leben


Menschen denken in vielerlei Hinsicht viel zu Menschlich, viel zu sehr in Schubladen und vergessen dabei, dass die Hunde, die in ihr Leben kommen, von alledem nichts wissen. Viele Dinge können sie lernen, aber in mancher Hinsicht sollten auch die Menschen lernen, sich auf die Hunde einzustellen …

Denn jeder Jeck ist anders und ein Hund ist immer noch ein Hund mit all seinen Bedürfnissen und auch Eigenarten …


Erst kürzlich kam in der Menschenwelt, in der es für alles Gesetze gibt, solch ein neues Wunderwerk auf den Tisch, in dem verankert ist, wieviel und wie lange Hunde am Tag Gassi gehen sollten. Jetzt saß ich kürzlich mit ein paar meiner Hundekollegen in gemütlicher Runde und wir diskutierten über dieses Thema hinweg über die Dinge, die man von uns erwartet, die wir aber manchmal gar nicht erfüllen können.


So sagte Opa Gimli:

Nach diesem neuen Gesetz, soll ich mindestens eine Stunde am Tag spazieren gehen. Wie soll ich das denn machen? Das schaffe ich doch gar nicht?

Ich bin 12 Jahre alt und habe bis vor kurzem in Rumänien in einem Zwinger gelebt. Meine kleinen krummen Beinchen schmerzen und eigentlich möchte ich am liebsten den ganzen Tag nur schlafen. Zwischendurch stehe ich auf, gehe mal Pipi machen und drehe eine kurze Runde durch den Garten. Ich freue darüber ein bisschen an der frischen Luft umherlaufen zu können und selber zu entscheiden, wie oft und wie lange ich das machen möchte. Und ich darf das auch, denn meinen Menschen ist es wichtig, dass es mir auf meine alten Tage gut geht und ich mich wohl fühle, ohne große Erwartungen an mich zu stellen.



Auch Negruta meldete sich schnell zu Wort:

Ich lebte einige Jahre in Rumänien an der Kette, wo man mich nur mit trockenem Brot fütterte. Zudem habe ich zwei falsch zusammengewachsene Beinbrüche, die mich durch meine Wetterfühligkeit an manchen Tagen belasten. So gibt es Tage, an denen ich gerne spazieren gehe, es gibt aber auch Tage, an denen ich mich sofort verkrümle, wenn jemand nur die Leine in die Hand nimmt. Auf manchen Spaziergängen mag ich laufen und auf anderen mag ich mich einfach nur aufs Feld legen und durch die Gegend schauen.

Am meisten liebe ich es an heißen Tagen für eine Weile in der Sonne zu liegen und mir meine geschundenen Knochen zu wärmen.

Ich bin dankbar, denn auch auf mich wird dementsprechend eingegangen und nichts gefordert, das ich nicht mehr leisten kann.

Ich habe auch keine Hundeschule besucht, denn für meine Menschen war von vorneherein klar, dass ich, nachdem was ich erlebt habe, einfach nur SEIN möchte. Ich genieße mein Leben in einem Rudel mit den unterschiedlichsten Charakteren. Und so ist mein Kumpel Ben wieder ganz anders.


Ben:

Kennt ihr das Lied „Leuchtturm“ von Nena? Das passt ein bisschen zu mir.

„Ich geh mit dir wohin du willst. Auch bis ans Ende dieser Welt.

Am Meer am Strand, wo Sonne scheint, will ich mit dir alleine sein.“

Okay, bei mir würde es heißen, „will ich mit dir zusammen sein“!

Ich liebe es, an der Seite meines Frauchens spazieren zu gehen. Ich würde dafür sogar laufen bis ich umfalle. Hauptsache, wir sind unterwegs und vor allem ZUSAMMEN. Ich mag gar nicht gerne alleine sein und klebe meinem Frauchen oft wie eine Klette am Po. Im Moment macht sie Homeoffice und ich kenne ihre Arbeitszeiten besser als sie selbst, und weiß genau, wann ich mich auf mein Kissen am PC legen möchte. Genau, du hast richtig verstanden. Ich muss nicht, ich möchte. Meine Kollegen liegen überall im Haus verteilt und suchen gar nicht immer die Nähe zu unseren Menschen, aber ich möchte einfach nicht von der Seite meines Frauchens weichen …

Wir haben doch alle unterschiedliche Bedürfnisse, oder?


Karma-Klaus:

Ich denke auch, dass die Gassirunden nach den Bedürfnissen von uns Hunden ausgelegt sein sollten. Was für den einen ein „Kurzspaziergang“ ist, ist für den anderen schon ein Marathon. Dennoch gibt es viele Hunde, die kaum vor die Tür kommen, die viel zu wenig spazieren gehen, weil ihren Menschen einfach die Zeit dafür fehlt oder sie sich diese Zeit dafür nicht nehmen möchten. Viele würden jetzt sicher sagen, dann sollen sie sich eben keinen Hund anschaffen. Aber ist das tatsächlich so? Ich denke einfach nur, sie sollten sich überlegen, was für einen Hund sie sich anschaffen. Es gibt eine Menge Hunde, besonders die älteren Jahrgangs, die teilweise ihren Lebensabend in einem tristen kalten Zwinger verbringen müssen. Ich denke, die wären einfach nur glücklich über ein schönes warmes Plätzchen. Aber auch solche Hunde werden oft nicht an Menschen vermittelt, weil deren Arbeitszeiten zu lang sind und der Hund zulange alleine Zuhause wäre. Vielleicht müsste auch da ein wenig umgedacht werden. Was ist schöner? In einem kalten Zwinger sein Leben zu fristen oder ein Gnadenbrotplatz auf einem Sofa, wo doch wenigstens einige Stunden am Tag jemand für uns da ist, der uns umsorgt und uns seine Liebe schenkt?

Gibt es nicht für jeden Menschen den passenden Hund, bzw. für jeden Hund die passenden Menschen? Gerade ältere Hunde wollen einfach nur noch Hund sein und ein bisschen ihr Leben genießen. Manche möchten sogar noch ein bisschen Trainieren, weil sie Freude daran haben, etwas zu lernen und manche möchten einfach nur SEIN.

Aber es gibt so manche Erwartungen, die die Menschen von Hunden haben und ganz vergessen, dass es eigentlich wider ihre Natur ist.

Viele Menschen schaffen sich einen Hund an, den sie natürlich gerne überall mit hinnehmen möchten. Sei es auf einen Stadtspaziergang, mit ins Restaurant, mit in die Bahn etc. Sie möchten einen Hund für alle Lebenslagen. Gleichzeitig möchten sie aber auch einem Tierschutzhund ein schönes Leben schenken und das läuft leider nicht immer konform.


Dazu weiß Amy was zu erzählen:

Ich kam schon als Welpe aus Bulgarien und war eigentlich noch recht unbedarft. Meine Menschen dachten, sie könnten mir alles beibringen, was ein Hund aus der Sicht des „typischen deutschen Hundebesitzers“ können muss. Auch ich sollte ein Begleiter für alle Fälle werden, mit ins Restaurant gehen können usw. Noch heute, ich bin mittlerweile 7 Jahre alt, diskutiert meine Menschen Oma mit meinem Frauchen darüber, dass sie versäumt habe mich als Welpen mit ins Restaurant zu nehmen. Sie denkt dabei in ihrer Schublade, dass man einem Hund alles beibringen kann. Aber muss man uns wirklich die Dinge beibringen, die so gar nicht zu uns passen, nur damit ihr Menschen es bequem habt und nicht nach Lösungen suchen müsst, weil ihr uns eben nicht überall dabeihaben könnt?

Ja, ich kam als Welpe und wirkte zuerst recht unbedarft, bis dass der laute Knall eines zuschlagenden Eisentors bei mir einen Schalter umlegte und ich plötzlich vor allem Angst hatte. Ich hatte Angst vor fremden Menschen, vor anderen Hunden und vor sehr vielen Geräuschen. Das alles durchkreuzte die Pläne meiner Familie. Für mein Frauchen begann ein innerer Kampf, denn sie hatte sich hohe Ziele gesetzt, was meine Erziehung anging. Sie wollte alles toll und richtig machen. Sie wollte ein Hundeführer sein, den man nicht belächelt oder verurteilt, weil er einen hüpfenden ungehorsamen Hund an der Leine hatte. So ein Strebermensch. So versuchte sie vieles, um mich zum Schubladenhund zu erziehen, um letztendlich zu lernen, dass es viel wichtiger ist, Vertrauen aufzubauen, eine Beziehung zu erschaffen, in der man aufeinander eingeht und den anderen nicht komplett umkrempeln möchte. Ich holte sie also aus ihrem Schubladendenken in die Welt des Einfühlungsvermögens. Und auch in die Welt des Spiegelgesetztes. Sie erwartete sehr viel von mir, was sie für sich selbst auch gar nicht leisten konnte. Und vor allem erwartete sie Dinge, die eigentlich nur für andere wichtig waren, denn sie wollte nicht verurteilt werden. Aber wir fanden zusammen, sind zu Seelengefährten geworden. Warum, weil wir uns nicht gegenseitig durch Situationen zwingen, die nicht zu passen. Und nachdem dieser innere Zwang weg war und wir einfach nur Schritt für Schritt durch Situationen gingen, die sich ergaben und nicht künstlich herbeigeführt wurden, mache ich mittlerweile Vieles, was man zu Anfang nie gedacht hätte. Ich werde zwar nie ein Stadthund sein, mag aber mal draußen in einem ruhigeren Biergarten oder Café sitzen und warten, ob ich was abstauben kann. Ganz wohl ist mir aber immer noch nicht dabei und deshalb machen wir das auch allerhöchstens mal im Urlaub.

Und mal ganz ehrlich, liegt es in der Natur des Hundes, sich im Restaurant unter den Tisch zu legen? Nein sicher nicht!

Es gibt Hunde, die das toll finden und die sich beim Anblick eines Restaurants schon auf die Dinge freuen, die vom Teller fallen könnten, aber es gibt auch Hunde wie mich, die vor lauter Angst, nicht einmal einen Fuß in ein solches Gebäude setzen würden.

Hätten wir es trainieren können? Vielleicht, vielleicht auch nicht!

Und warum sollte ich eigentlich ein Stadthund sein, wenn mein Frauchen auch lieber in der Natur unterwegs ist?



Karma-Klaus:

Ich glaube was das Hundetraining angeht, wird auch bei vielen Menschen noch zu sehr in Schubladen gedacht. Der Hund soll funktionieren, so wie es sich halt für einen braven Hund gehört. Dabei wird oft gar nicht überlegt, dass es wider unsere Natur ist, wir eigentlich gar nicht wissen warum wir etwas tun oder lassen sollen. Oft werden wir für Dinge bestraft, die wir aus einem ganz einfach Grund tun: Weil das für Hunde normal ist!

Wir Hunde sind z.B. Beutejäger und wenn irgendwo etwas zu Essen rumliegt, gehört das uns! Wir klauen das Fleisch vom Tisch und verstehen nicht, dass ihr Menschen das nicht wollt. Gerade für Hunde aus dem Ausland, die sich ihr Essen überall zusammensuchen müssen, ist es normal, nichts anbrennen zu lassen. Wir klauen was das Zeug hält, weil wir es mussten, um zu überleben. Wenn ihr euch also einen Hund anschafft, ist es an euch dafür zu sorgen, dass er nichts klauen kann, anstatt ihn für sein Naturell zu bestrafen.

Belohnt ihn lieber dafür, wenn er es nicht tut!

Überhaupt haben wir Tierschutzhunde oft das „Problem“, dass wir eben sehr mit unserer Natur gelebt haben, bis dass wir in ein Zuhause umzogen, wo das plötzlich alles anderes sein soll.

Vieles kann man uns beibringen, wir möchten euch gefallen und uns auch einfügen. Aber das braucht seine Zeit und sollte nicht erzwungen werden. Oft ist das typische Hundetraining nicht der richtige Weg. Auch hier gilt es auf sein Bauchgefühl zu hören. Will der Trainer was erzwingen oder geht er auf uns Hunde ein? Geht er einfühlsam mit uns um, wenn wir Angst haben? Gibt er uns Zeit für die Dinge, die wir lernen sollen?

Woran ihr einen guten Hundetrainer erkennt?

Daran, dass er dazu bereit ist, jeden Hund anders zu behandeln, nämlich so, dass es unterstützend für den Hund wirkt. Ihr erkennt ihn an seinem Einfühlungsvermögen, an seiner Geduld und auch an der Bereitschaft umzudenken und einen anderen Weg zu suchen, wenn etwas nicht funktioniert.

Wir Hunde aus dem Tierschutz haben oft schon eine harte Zeit hinter uns, da brauchen wir nicht auch noch „die harte Schule“, um uns an euer Leben anzupassen. Für einen guten Trainer gibt es nicht nur „den einen Weg“! Ein guter Trainer sucht den passenden Weg!


Darum möchte ich hier den Satz einer für mich ganz besonderen Hundetrainerin zitieren:

Unsere Hunde wurden nicht gefragt, ob sie bei uns leben wollen, das haben wir über sie hinweg entschieden. Daher tragen wir ihnen gegenüber auch eine ganz besondere Verantwortung, damit sie ein glückliches und Hund gerechtes Leben leben dürfen, im Rahmen unserer Möglichkeiten.


Aber um nochmal auf Dinge, wie das Klauen von Lebensmitteln zurückzukommen, hier möchte Ben sich gerne noch einmal zu Wort melden, denn er ist ein Meisterdieb:

Also vor mir ist nichts sicher. Ich fresse alles was rumliegt und ich scheue auch keine Mühe, es zu erreichen. Aber dafür kann ich nix, denn auch wenn ich ein Mischling bin, trage ich die Gene eines Labradors in mir. Ich habe also immer ganz schlimmen Hunger und würde fressen, bis ich platze. Da ist es an meinen Menschen, dafür zu sorgen, dass ich mich nicht überfresse oder gar was Falsches zu mir nehme. Da sind auch schon ein paar Unglücke passiert, weil sie mal wieder nicht mit mir gerechnet hatten. So konnte ja keiner ahnen, dass ich bis ans oberste Fach eines Bücherregals klettern würde, um mir ein paar Schokonüsse zu gönnen. Da konnte auch keiner erahnen, dass ich auf den Tisch klettern würde, um einen Adventkalender aus Holz von der Wand zu reißen, um die Schubladen zu zerkauen, um an unsere Leckerchen zu kommen. So konnte auch keiner erahnen, dass ich das Hundeschutzgitter aus der Wand reißen könnte, um zum Katzenfutter zu gelangen. Hier mussten also die Menschen erzogen und sensibilisiert werden. Bei uns muss alles gut und sicher verstaut werden, sonst gehört es mir. Und ich scheue mich auch nicht davor, mal ein Stück Verpackung mitzufressen. Und was soll ich sagen? Man könnte Schimpfen, man könnte mich sogar hart dafür bestrafen, ich würde es immer wieder tun! Hier ist es wie so oft der Mensch, der sein Verhalten ändern muss, denn ich komme da nicht gegen meine Natur an.

Ich bin von Berufswegen ein Meisterdieb! Und ganz ehrlich, ich bin auch ein bisschen Lernresistent. Naja, und mittlerweile bin ich 11 Jahre alt. Ich schiebe es einfach auf meine altersbedinge Vergesslichkeit …

Obwohl manchmal denke ich: Meine Menschen lernen auch nix dazu …


Karma-Klaus:

Sicher gibt es auch für solche Fälle besondere Trainingsmethoden, dennoch kann durch Vermeidung schon viel erreicht werden. Was nicht rumliegt kann nicht zur Gefahr werden.

Und so ist das auch bei Welpen, die noch alles Mögliche zerkauen. Es ist ganz normal, dass sie das tun. Das liegt in ihrer Natur. Wenn man sie dafür bestraft, werden sie es nicht verstehen. Hier kann auch vieles vermieden werden, indem man sich selbst zur Ordnung erzieht und alles wegräumt, was zerkaut werden könnte oder aber indem man nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten sucht.

Ich könnte noch viele Stunden über diese Dinge schreiben, aber ich denke, diese Beispiele zeigen, dass von uns Hunden doch immer so manches erwartet wird, wo eigentlich ein Umdenken des Menschen von Nöten wäre.

Vielleicht müsstet ihr Menschen im Umgang mit uns Tieren einfach mal wieder mehr Kind als Erwachsener sein. Spielerischer und vor allem empathischer mit allem umgehen, anstatt irgendwelchen Schubladendenkern zu folgen.

Wir sind Hunde und wenn wir in euer Leben kommen, müssen wir erst lernen, mit eurer Welt klarzukommen. Bitte vergesst unsere Belange dabei nicht!


Es grüßt euch euer Karma-Klaus



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