• Karma-Klaus

Träumen mit Karma-Klaus

Aktualisiert: Jan 20

Zwischen Angst und Hoffnung


Die Monate vergingen und der kleine Klaus konnte sich gar nicht mehr vorstellen, ohne seinen moppeligen grünen Plüschhund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase einzuschlafen. Nicht selten träumte er sich durch die Nacht und hatte am nächsten Morgen eine spannende Geschichte zu erzählen. Immer wieder staunten seine Eltern über seine detaillierten Schilderungen und nahmen den Geruch von frischem Pansenpups kaum noch wahr.


Aber auch Noels Geschichte war nicht vergessen, hatte sie doch viel in den Gedanken der Familie zum Thema Tierschutz bewegt. Der kleine Klaus dachte sehr oft an ihn und fragte sich, wie es Noel denn nun heute gehen mag. Lebt er immer noch in Griechenland oder fand er vielleicht schon ein schönes Zuhause? Und was, wenn er aus dem Shelter ausgezogen ist, wer erzählt dann an Weihnachten seine Geschichte und macht den anderen Hunden Mut? Bei all seinen Gedanken wurde Klausi immer nachdenklicher und vor allem trauriger. Immer mehr beschlich ihn ein merkwürdiges Gefühl, wenn er an Noel dachte. Ein Gefühl einer großen Veränderung, aber auch von großer Angst.

Das nächste Weihnachtsfest stand schon fast wieder vor der Tür, als Klausi im Traum auf den neuesten Stand gebracht wurde. Tränenüberströmt und schweißgebadet wachte er auf. Dieses Mal konnte er den Geruch von frischem Pansenpups kaum ertragen. Er rannte schnell zu seinen Eltern ins Wohnzimmer, um ihnen Noels Geschichte zu erzählen:


Es war Spätsommer als die Tierschützerin Noel ins Auto packte und mit zu sich nach Hause nahm. Plötzlich sollte er lernen, wie es ist, in einem Haus bei einer Familie zu leben. Noch nie zuvor hatte er Geschirr und Halsband tragen müssen. Seine Welt stand von einem Tag auf den anderen komplett auf dem Kopf. Das einzige bisschen Sicherheit, dass er noch spürte, waren seine vertrauten Menschen. Sein kleiner Menschenfreund Panagiotis schmuste zu dieser Zeit sehr viel mit ihm, damit er sich einigermaßen entspannen konnte. Und auch die Spaziergänge an der Leine wurden immer besser.

Doch dann kam der Tag, der alles, aber auch wirklich alles veränderte. Noel flog nach Deutschland zu seiner Familie.


Die Tierschützerin, Foteini, begleitete ihn bis nach Deutschland, doch dann trennten sich ihre Wege. Es bestand Kontakt zur Familie und schnell wurde klar, dass der Flug, zusätzlich zu seiner Angst vor allem Neuen, ein Trauma bei Noel hinterlassen hatte. Aus dieser Angst konnte er sich über Wochen nicht lösen. Was in dieser Zeit alles versucht wurde und ob dies gut oder schlecht für ihn war, wird wohl immer reine Spekulation bleiben. Für Noel war dennoch eins Sonnenklar, bei diesen Menschen wollte er nicht bleiben. Dort gehörte er nicht hin. Seine Aufgabe – wir haben alle eine Aufgabe – sollte eine ganz andere sein. So befreite er sich aus der für ihn unangenehmen Situation und entlief durch die offenstehende Haustür…


Zum Glück gab es eine Menge Menschen, die sich um ihn sorgten. Er spürte genau, dass es Hoffnung für ihn gibt, konnte jedoch sich selbst und seinen Gefühlen nicht richtig trauen. Alles war fremd, es gab nichts, aber auch gar nichts Vertrautes, an dem er sich orientieren konnte. Bis auf den Geruch eines anderen Hundes…

Aber zunächst versteckte er sich und schlief komplett übermüdet ein. Er träumte davon, dass er sein Herz öffnen und vertrauen solle. In seinem Traum sah er einen blauen Weg umrahmt mit roten Herzen. Farben, die Vertrauen, Mut und Liebe signalisierten. Immer wieder hörte er seinen Namen. „Noel, du bist nicht allein!“

Als er aufwachte saß ein kleines Rotkehlchen über ihm auf einem Ast. Hatte dieses Vögelchen etwa gerade zu ihm gesprochen? Er wollte es zunächst gar nicht glauben, doch dann sagte das Rotkehlchen: „Hab Vertrauen, ich bin hier, um dich zu begleiten.“ Das Rotkehlchen sang ein Lied aus blauen, grünen und roten Herzen – ein Lied über Vertrauen, Hoffnung und Liebe. Das Rotkehlchen kam zu ihm, um ihn von nun an als Krafttier zu begleiten. Es gesellte sich an seine Seite, um ihm all die Dinge nahezubringen, die er gerade am meisten brauchte. Es sang von der weichen Seite der Kraft. Und genau deshalb passte es zu Noel, denn auch wenn er ein großer starker Junge ist, ist er ein ganz sensibler, sanfter Kerl … Zudem sang es von Lichtblicken, Hoffnung und Neuanfang. Es erzählte über das Vertrauen zur inneren Stimme und Authentizität. Auch über Veränderung, Loslassen, Leichtigkeit, Zartheit, Vergeben sang es seine Lieder, ummantelt von blauen, grünen und roten Herzen. Passender hätte es nicht sein können!

Noel war komplett überwältig von der Botschaft des Rotkehlchens. Noch konnte er an all dies nicht so recht glauben und fiel in einen unruhigen Schlaf. Dabei lauschte er weiter dem Gesang des Rotkehlchens und beschloss, sich davon führen zu lassen.




Er erinnerte sich wieder an den vertrauten Geruch nach einem Hund und machte sich in der Sicherheit der Nacht auf die Suche und fand sich plötzlich auf einem anderen Bauernhof in einem Zwinger wieder. Sollte das sein Glück bedeuten? Doch Noel fürchtete sich sehr. Er vergaß, was ihm das Vögelchen alles gezwitschert hatte. Menschen kamen, um ihn, wie sie sagten, in Sicherheit zu bringen. Aber was ist Sicherheit, wenn man so gar nicht weiß, was mit einem geschieht? Er knurrte und biss um sich und musste sediert werden, um ihn an einen sicheren Ort zu bringen. Man brachte ihn in eine Pension. Er war in Sicherheit, wurde gut versorgt und man tat alles Mögliche für ihn.


Doch Noel verschloss sich und war wieder komplett in seiner Angst gefangen. Die Erinnerung an das Rotkehlchen war längst verblasst. Dennoch spürte er die ganze Zeit über liebevolle Energien zu ihm fließen. Er spürte seinen Namen „Noel“. Immer wieder wurde er irgendwo genannt oder geschrieben. Er spürte liebevolle Gedanken. Es war, als würde seine Geschichte von seinem Lebensstart auf der Müllkippe immer wieder erzählt werden. Er spürte all die Sorgen, die man sich um ihn machte. Das Rotkehlchen hatte wohl doch Recht! Er war nicht allein!

In seinen Träumen zeigten sich plötzlich all die Bilder, die er zuvor schon einmal gesehen hatte. Der blaue Weg mit den roten Herzen, das offene Herz, das Rotkehlchen und die gesungenen bunten Herzen. Alles zeigte sich in intensiverer Farbe und gab ihm das Gefühl, nicht allein zu sein. Und immer wieder gab es aufgeschriebene Geschichten mit seinem Namen. „Noel“! Er freute sich immer mehr auf die Zeit des Träumens, denn dann fühlte er sich geborgen, so als wenn etwas Neues auf ihn zukommen würde. Lag da so etwas wie Hoffnung verborgen?




Er ließ die Gefühle vorsichtig zu und in seinem nächsten Traum zeigte sich ein neuer Hoffnungsschimmer.

Dort fühlte er sich glücklich, denn er fühlte, dass es Zeit werden würde, loszulassen und den Mut zu haben, sich wieder glücklich zu fühlen. Er träumte davon, auf einer grünen Wiese zu sitzen. Er träumte vom Leben, der Natur, der Gesundheit, der Frische und der Hoffnung, aber auch von einem Neuanfang, von Wachstum, Entwicklung und Frieden. Wie wunderschön sich das plötzlich alles anfühlte.

Als er da so auf dieser Wiese saß, sprang plötzlich ein Eichhörnchen in sein Leben und bot ihm seine Hilfe an: „Ich komme als Krafttier in dein Leben und helfe dir dabei, wieder zu Freude, Leichtigkeit und Lebenskraft zu finden. Ich möchte dir zeigen, dass es Zeit ist, Altes hinter dir zu lassen. Ich möchte dich aus deiner „Ecke zerren“, damit du die Sehnsucht nach dem Altbekannten verlierst und wieder frisch und vollen Mutes ins Leben springen kannst!“ Dann reichte es ihm das Blatt einer Pappel und sagte: „Leichten Herzens kannst du die Welt mit anderen Augen sehen!“



So schöpfte Noel wieder neuen Mut und hoffte auf einen Neuanfang! Auch seine Sorge darum, wer nun an Weihnachten seine Geschichte erzählen würde, klärte sich in einem seiner Träume. Hatte er doch seine beiden Brüder unterschätzt. Sie beschlossen, für immer im Gehege zu bleiben, dort wo sie sich wohl und sicher fühlen, und in jeder Heiligen Nacht die Geschichte ihres tapferen Bruders zu erzählen, um damit den anderen Hunden Hoffnung und Mut für ein besonderes Leben zu machen.


Klausi schaute mit Tränen in den Augen zu seinen Eltern, denn mehr konnte er nicht erzählen. Er wusste nicht, ob Noels Traum schon wahr geworden war oder wie es ihm weiter ergangen war. Aber sein moppeliger grüner Hund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase fing wieder einmal zu leuchten an. Und natürlich fehlte auch nicht der Duft von frischem Pansenpups.


Quelle

Rotkehlchen:

https://www.rapunzellounge.de/krafttier-rotkehlchen/

Eichhörnchen:

http://www.schamanische-krafttiere.de/krafttier-eichhoernchen.html

Pappel:

https://www.verlagbegegnungen.de/shop/product_info.php?products_id=11


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