• Karma-Klaus

Träumen mit Karma - Klaus

Sunshine


Die Jahre vergingen und Klausi war längst nicht mehr der kleine Junge, der mit einem Plüschhund im Arm zu Bett ging. Dennoch saß sein Karma-Klaus stets in seinem Zimmer und wachte über Klausis Schlaf. Wie gehabt begleitete er den mittlerweile 15 jährigen Klaus in seinen Träumen und sorgte dafür, dass er sein wertvolles Gespür für die Tiere nicht verlor.

Auch wenn Klaus nicht mehr täglich seine Zeit im Tierheim verbrachte, war er dort immer noch ein gern gesehener Gast. Er ging so oft es ihm möglich war mit den Hunden spazieren und spielte mit ihnen auf der Übungswiese. Nicht selten gesellte sich der Hundetrainer des Tierheims dazu, um Klausi, der ein unglaubliches Gespür für die Tiere hatte, mit ein paar Ratschlägen zu unterstützen und ihm ein paar wichtige Grundlagen für das Hundetraining beizubringen.

Nach einer Weile waren die beiden ein unschlagbares Team, wenn es darum ging die Hunde auf ihr neues Leben vorzubereiten.

Eines Tages als Klausi nach der Schule im Tierheim ankam, sah er einen neuen Hund in einem der Zwinger sitzen. An der Zwingertür war ein Schild angebracht, das zur Vorsicht mahnte, – es schien sich also um einen aggressiven Gesellen zu handeln. Als Klausi sich dem Zwinger näherte kam der blonde Riese auch schon zähnefletschend auf ihn zugerannt. Auch einer der Tierheimmitarbeiter rief sofort: „Geh da bloß nicht rein, der Kerl dreht total durch und beißt sofort zu!“

Klausi sah zwar einen angsteinflößenden Hund vor sich, doch seine Gefühle zu ihm waren widersprüchlich. Ein Blick in die Augen des Rüden ließen ihn andere Bilder sehen. Vor seinem inneren Auge zeigte sich ein Hund voller Sanftmut. Was mochte dem armen Kerl nur zugestoßen sein?


Dennoch war der Hund zunächst sehr aggressiv. Er flippte jedes Mal aus, wenn man ihm nur Futter und Wasser brachte, sodass sich kaum noch jemand in seinen Zwinger wagte. Selbst der Trainer erklärte ihn zu einem hoffnungslosen Fall.

Aber Klausi konnte und wollte das nicht glauben. Er wollte diesen bildhübschen Kerl nicht aufgeben.

Von da an besuchte er den stattlichen Rüden täglich, setzte sich vor die Zwingertür und sprach sanft auf ihn ein. Immer wieder fragte er ihn: „Was ist dir nur zugestoßen, mein Großer? Ich weiß, du trägst ein goldenes Herz in dir und zeigst uns im Moment nicht dein wahres Ich!“

Nachdem sich die Situation auch nach mehreren Wochen nicht änderte, ging Klausi traurig und mit dem Kopf voller Gedanken nach Hause. Er legte sich auf sein Bett und nahm seit langem noch einmal seinen grünen Plüschhund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase, in den Arm. Es dauerte nicht lange und er fiel in einen unruhigen, traumerfüllten Schlaf.

Er träumte von einem Welpen, der dem Tod ins Auge blickte und im letzten Moment von einer Tierschützerin aufgenommen und aufgepäppelt wurde. Aus einem felllosen Häufchen Elend wurde ein wunderschönes fröhliches Hundekind. Er strahlte regelrecht, – wie ein helles Licht in der Dunkelheit. Und mitten im Traum wusste Klausi, dass er ihn von nun an Sunshine nennen würde.


Als Sunshine schließlich zu seiner neuen Familie umzog, war er längst zu einem stattlichen, sanften Rüden herangewachsen. Zunächst schien für ihn die Welt in Ordnung zu sein, er fühlte sich wohl und entwickelte sich prächtig. Doch plötzlich lernte er ein Familienmitglied von einer ganz anderen Seite kennen. Immer öfter kam sein Besitzer abends betrunken nach Hause und Sunshine konnte machen was er wollte, er konnte diesem Menschen nichts mehr recht machen. Schon für Kleinigkeiten wurde er plötzlich angebrüllt und wenn er dann nicht wie gewünscht funktionierte, gab es Schläge oder er wurde sogar getreten.

Eine Weile hielt Sunshine dies alles aus. Er wollte nur gefallen und alles richtig machen. Aber irgendwann bricht auch die stärkste Seele. Und als es sich für ihn anfühlte als würde sein Leben davon abhängen, fing er sich zu wehren an. Je mehr er sich wehrte, umso mehr musste er einstecken.

Plötzlich war er nicht mehr der fröhliche Junghund, sondern ein furchteinflößender Riese. Zu seinem Glück traf man letztendlich die Entscheidung, dass er in einem Tierheim besser aufgehoben sei. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte er schon jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren und reagierte auf alles und jeden aggressiv.


Kurz bevor Klausi aus seinem Traum aufwachte, schaute Sunshine ihn mit großen traurigen Augen an und sagte: „Ich bin ein friedvolles Wesen voller Liebe. Es waren die Menschen, die mich zu dem machten, was ich jetzt bin. Bitte hilf mir, damit ich wieder ein helles, strahlendes Licht sein kann!“



Als Klausi aufwachte lag der legendäre Duft von frischem Pansenpups in der Luft. Er setzte sich auf und nahm seinen grünen Plüschhund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase, in den Arm. Er drückte ihm einen Kuss auf seine schwarze Plüschnase und sagte: „Danke, ich wusste, du würdest mir helfen diesen tollen Kerl zu verstehen!“


Klausi fackelte nicht lange. Er zog sich an und schwang sich auf sein Fahrrad und fuhr zum Tierheim. Dort angekommen erzählte er dem Trainer von seinem Traum und bat ihn um Hilfe.

Er wusste, es würde ein weiter Weg werden, aber er wollte alles tun, um Sunshine wieder strahlen zu sehen.


Klausi vereinbarte mit den Tierheimmitarbeitern, dass ausschließlich er sich von nun an um Sunshine kümmern würde. Er versorgte ihn mit Futter und Wasser und verbrachte eine Menge Zeit vor der Zwingertüre, um ihm mit sanfter Stimme Geschichten zu erzählen. Nach einer Weile, konnte er, ohne das Sunshine auf ihn losging, den Zwinger reinigen und ihn mit allem versorgen was nötig war, blieb aber dabei keine Sekunde länger als nötig im Zwinger. Erst so nach und nach dehnte er die die Zeit aus, die er sich dort aufhielt, und zeigte Sunshine, dass er den von ihm gewünschten Abstand wahren würde. Es vergingen Monate und oft wirkte es so, als würde sich rein gar nichts ändern, sodass Klausi doch so manches Mal daran dachte aufzugeben.

An solchen Tagen war es Klausi egal, dass er eigentlich schon zu alt war, um mit einem Plüschhund im Arm einzuschlafen. Sein Karma-Klaus schenke ihm in solchen Momenten Trost und Kraft und führte ihn nicht selten in seinen Träumen zu einem verspielten freundlichen Sunshine, zu einem Sunshine, wie er wäre, wenn ihm all dies nicht zugestoßen wäre. Immer wieder zeigte sich in Klausis Träumen Sunshines wahres wundervolles, strahlendes, lichtbringendes Wesen.

Und wenn Klausi dann aufwachte und den Duft von frischem Pansenpups in der Nase hatte, wusste er, es würde sich lohnen weiterzumachen.


Und eines Tages war es dann soweit und Sunshine nahm ein Leckerchen aus Klausis Hand. Weitere Wochen später, ließ der stolze Rüde sich sogar von ihm berühren. Und noch eine ganze Weile später, war er soweit, dass der Trainer sagte, es wäre bald an der Zeit, um mit ihm zu trainieren. Es steckte eine Menge Geduld in dieser ganzen Entwicklung. Oft gab es einen Schritt nach vorne, um kurz darauf wieder ein paar Schritte zurück zu machen, aber dennoch kam immer mehr der wahre Sunshine zum Vorschein. Klausi und er wurden zu einem richtig tollen Gespann. Der Trainer staunte oft nicht schlecht, welches Vertrauensverhältnis sich zwischen den beiden entwickelte. Auch Klausis Einfühlungsvermögen konnte er immer nur bewundern. Auch wenn Klausi sich so manches Mal über seine Ratschläge hinwegsetzte, hatte er doch meist das richtige Näschen in solchen Situationen.


Langsam wurde es Zeit, Sunshine wieder an ein normales Leben zu gewöhnen und so überredete Klausi seine Eltern, das Training bei sich Zuhause fortsetzen zu dürfen.

Auch Klausis Eltern, die zu Anfang doch ziemlich besorgt waren, als sie hörten, dass ihr Sohn mit einem aggressiven Hund arbeiten wolle, konnten nur noch staunen, welch wunderbare Freundschaft sich zwischen diesem Hund-Mensch-Team gebildet hatte. Und auch sie schlossen diesen wunderschönen Riesen, der mittlerweile wieder ganz er selbst war, in ihr Herz.

Und es war das erste Mal, dass der grüne Plüschhund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase, nach einer traumlosen Nacht leuchtete und den Duft von frischem Pansenpups verströmte, als Klausis Eltern beschlossen, dass ihr Sohn nun endlich seinen eigenen Hund haben sollte.



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