• Karma-Klaus

Träumen mit Karma-Klaus

Die Heilige Nacht


Nachdem Klausi von Noels „Heimkehr“ geträumt hatte, fühlte er sich mehr als erleichtert. Wie sehr hatte er sich doch in diesen Hund verliebt ohne ihn wirklich zu kennen. Und nun dürfte er endlich ein Weihnachten bei lieben Menschen feiern. Was sollte er sich da selbst überhaupt noch zu Weihnachten wünschen?

Doch dann musste er an all die anderen Hunde auf der ganzen Welt denken, die irgendwo im Tierheim saßen oder auf der Straße lebten. Wie sehr wünschte er sich auch für sie ein schönes Weihnachtsfest.

Ob das überhaupt möglich war?


Vor einiger Zeit sagte seine Mama zu ihm. „Wenn du dir etwas aus tiefstem Herzen wünschst und ganz fest daran glaubst, dann wird dein Wunsch auch eines Tages in Erfüllung gehen.“

Einen Versuch war das doch wert, dachte er. Und von da an, jeden Abend, wenn er ins Bett ging, erzählte er seinem grünen Plüschhund von seinem Wunsch, dass alle Tiere auf der Welt ein schönes Weihnachtsfest erleben sollten. Aber erst in der Heiligen Nacht träumte er wieder von seinen Freunden, den Hunden in Griechenland:


Es war bereits dunkel und die Menschen hatten die Hunde im Gehege mit Futter und ein paar besonderen Weihnachtsleckereien versorgt. Joseph und Honey-Boy waren furchtbar aufgeregt, denn sie sollten in dieser Nacht zum ersten Mal die Weihnachtsgeschichte ihrer Familie erzählen. Um Mitternacht wurde es mucksmäuschenstill im Gehege, Honey-Boy, der etwas mutigere der beiden Brüder, räusperte sich und begann zu erzählen.


Er erzählte die Geschichte, die sonst sein Bruder Noel immer erzählt hatte. Er erzählte von seiner Oma Angira und seiner Mama Angelie.

In den letzten Monaten waren ganz viele neue Hundekinder hinzugekommen, die jedem Wort lauschten. War das alles aufregend! Ihr erstes Weihnachten und sie durften eine solche Geschichte hören.

Aber ihnen liefen auch die Tränen die Wangen hinab, als Honey-Boy von Noels Reise und allem, was geschehen war, erzählte. Er erklärte ihnen, dass solche Dinge leider geschehen müssen, damit die Menschen dazulernen. Vielen Menschen würde das nötige Einfühlungsvermögen fehlen, um ein sensibles Hundeherz zu erreichen. Viele Menschen würden sich selbst so sehr überschätzen, dass sie gar nicht mehr sähen, was ein Hund wirklich braucht. So käme jeder Hund zu bestimmten Menschen, um ihnen etwas mit auf den Weg zu geben.


„Meistens spiegeln sie den Menschen ihr eigenes Verhalten. Doch viele lernen nichts daraus, darum werden sie immer wieder in solche Situationen geraten. Manche Hunde zeigen sich dann sogar aggressiv, obwohl sie es eigentlich gar nicht sind, weil diese Menschen ihre Grenzen nicht respektieren wollen. Andere verschließen sich, weil auch die Menschen in ihrem Umfeld keine wirkliche Nähe zulassen. Sind es die richtigen Menschen, werden die Hunde sich gemeinsam mit ihren Menschen aus solchen Situationen herausarbeiten. Sind die Hunde aber noch nicht bei ihren Menschen gelandet – manchmal sind dafür wie bei Noel ein paar Umwege nötig – dann befreien sie sich auf irgendeine Weise aus ihrer Situation.

Sie laufen weg, sie lassen keine Beziehung zu oder ähnliches. Sie machen es den Menschen dann regelrecht unmöglich, den Weg gemeinsam weiterzugehen. Das kommt gar nicht so selten vor und wird von vielen Menschen verurteilt. Aber jeder Mensch und jedes Tier hat seine Aufgabe zu erfüllen und auch, wenn es manchmal noch so unverständlich oder traurig erscheint, ist alles gut so wie es gerade ist. Jeder ist auf seinem Weg unterwegs!


Auch mein Bruder Noel hat seine Aufgabe. Auch er wird seinen Menschen etwas vermitteln und auch von ihnen vermittelt bekommen. So ist er letztendlich doch zu Menschen gekommen, die seinem eigenen sanften Wesen entsprechen.

Hatte er bisher niemanden an sich herangelassen, dann hatte dies auch seine Gründe. Ob diese Menschen das tatsächlich hinterfragen werden, liegt dann nicht mehr in seiner Macht. Er hat sein Bestes gegeben, um ihnen zu spiegeln, wo sie gerade stehen …“


Die anderen Hunde staunten nicht schlecht über Honey-Boys Geschichte. Sollten sie tatsächlich so eine Macht über die Menschen haben?

Doch Honey-Boy erklärte ihnen, dass das alles nichts damit zu tun habe, Macht über die Menschen zu besitzen. Ganz im Gegenteil, es ging darum, sie wieder an mehr Einfühlungsvermögen zu erinnern. Und es ging darum, die Welt wieder mit Liebe zu betrachten. Zudem sollte es den Menschen wieder ein Leben im Hier und Jetzt nahelegen, so hektisch und ungeduldig wie sie immer unterwegs waren. So oft fehlte es ihnen doch nur an der nötigen Geduld.


Die Welpen waren begeistert. Da lagen ja richtig wichtige Aufgaben vor ihnen. Natürlich hofften sie alle, dass ihr Weg leichter als Noels Weg werden würde. Und die ganz kessen Jünglinge machten sich doch so ihre Gedanken, welche Lektionen sie ihren zukünftigen Menschen erteilen könnten. Pläne schmieden und von der Zukunft träumen konnte schließlich nichts schaden. Sollten auf diese Art nicht Träume in Erfüllung gehen?


Zum guten Schluss meldete sich dann auch Joseph noch einmal zu Wort und gab all den Hunden ein Gefühl von Hoffnung, von Licht und von Liebe mit auf den Weg, so wie Noel es zuvor immer getan hatte.



Als Klausi aufwachte, war er doch sehr beruhigt, dass es weitere Geschichten für diese Hunde geben würde. Und er konnte regelrecht spüren, mit welch wichtigen Aufgaben im Gepäck sie durch ihr Leben reisen. Er hatte längst das Gefühl, dass Tiere ein großes und besonderes Wissen haben, dass sie mehr über Gefühle wissen als die Menschen es je könnten.

Er rollte sich auf die andere Seite und schlief wieder ein.

Und nun sollte er seinen Wunsch erfüllt bekommen, denn er träumte einen ganz besonderen Traum:


Während Honey-Boy und Joseph ihre Geschichte erzählten, wurde es still auf der ganzen Welt. Alle Tiere lauschten ihrer Botschaft und wurden sich zum ersten Mal ihrer wichtigen Bedeutung bewusst. Zu oft hatten die Menschen sie schon spüren lassen, dass sie minderwertige Geschöpfe seien.

So leuchteten in dieser Nacht die Sterne ganz besonders hell. Sie strahlten regelrecht am Himmel.

Sollten die Menschen sich doch für etwas Besseres halten, die Tiere würden ihnen letztendlich doch ihren Weg weisen!


In dieser Heiligen Nacht waren alle Tiere auf der Welt glücklich und ihre Seelen strahlten zusammen mit den Sternen am Himmel!

Es wurde neue Hoffnung geboren!


Als Klausi aufwachte, leuchtete sein Karma-Klaus noch ein wenig und die Raumluft hatte auch sein Aroma angenommen.

Der kleine Klaus sprang aus dem Bett und erzählte seinen Eltern mal wieder von seinem Traum. Plötzlich klingelte das Telefon und eine Freundin seiner Mutter, die in einem Tierheim arbeitete, erzählte von einer unglaublichen Nacht. Sie hatte noch einmal nach einem neuen Schützling schauen wollen, und als sie am Tierheim ankam, saßen alle Hunde in ihren Zwingern und schauten in einen hellerleuchteten Sternenhimmel. Nicht ein Hund bellte, nicht einer jaulte. Sie hatte in den Gesichtern der Hunde noch nie eine solche Glückseligkeit gesehen.




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