• Karma-Klaus

Träumen mit Karma-Klaus

Im Tierheim


Klausis Mama hatte eine ganze Weile mit ihrer Freundin telefoniert und auch über die Arbeit bei ihr im Tierheim gesprochen. Bei diesem Gespräch stellte sich heraus, dass noch Gassigänger für die Hunde gesucht wurden. Und plötzlich hatte sie eine Idee für ein zusätzliches spontanes Weihnachtsgeschenk. Sie wusste ganz genau, wie sehr sich ihr Sohn darüber freuen würde. Natürlich war er mit seinen sechs Jahren noch zu klein, um allein mit den Hunden spazieren zu gehen, aber das könnten sie ja gemeinsam machen.


Sie besprach sich mit ihrem Mann und auch er fand diese Idee nicht schlecht. Wenn sie schon selbst keinen Hund halten konnten, hätte der kleine Klaus dennoch den gewünschten Kontakt zu den Tieren.

Natürlich hatte Klausi seine Geschenke längst ausgepackt, doch beim Mittagessen überraschten ihn seine Eltern mit diesem weiteren Geschenk.

Klausi strahlte über das ganze Gesicht und tanzte mit seinem Karma-Klaus im Arm durchs Esszimmer. Und auch sein moppeliger Plüschhund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase freute sich mit ihm – er begann zu leuchten und duftete ein wenig vor sich hin. Wenn das mal kein gutes Zeichen war?

Nach Weihnachten sollte es direkt losgehen.


Die nächsten Nächte schlief Klausi traumlos, doch er war ruhelos. Er war so gespannt auf seinen ersten Spaziergang. Doch als der Tag kam, regnete es in Strömen und der ihm zugeteilte Hund wollte partout nicht vor die Tür gehen. Während Klausis Mutter sich mit ihrer Freundin unterhielt, setzte der kleine Junge sich zu seinem neuen Freund in den Zwinger. Eigentlich war das für so kleine Kinder aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, und ein weiterer Tierheimmitarbeiter wollte ihn gerade bitten, den Zwinger wieder zu verlassen, als er hörte, wie Klausi mit seinem neuen Freund Pepper sprach. So stellte er sich nur an die Zwingertür, um ein wenig auf die beiden aufzupassen.

Gebannt hörte er zu …


Klausi erzählte seine ganze Geschichte. Er erzählte von seinen Träumen, von Karma-Klaus, Noel und den anderen Hunden in Griechenland. Er erzählte von Angst, Glück und Hoffnung und von seinem großen Wunsch, auch einmal einen Hund zu haben. Ganz ruhig sprach er mit Pepper, der sich dabei sein Bäuchlein knuddeln ließ.

Allein das beeindruckte den Pfleger sehr, denn sehr viele Kinder, die mit ihren Eltern ins Tierheim kamen, waren eher laut und suchten nicht nach einem Hund, sondern einem Spielgefährten. Und dazu ließ der eigentlich recht vorsichte Pepper sich auch noch den Bauch kraulen. Das hatte schon fast etwas Magisches.

Pepper war zwar kein ängstlicher Hund, aber dennoch ließ er sich von Fremden nicht gerne anfassen. Und nun lag er da auf dem Rücken und hatte seine Beinchen in die Luft gestreckt und grunzte wohlig bei jedem Streichler.

Weitere Tierheimmitarbeiter kamen zusammen, um zu schauen, was denn da vor sich ging und warum ihr Kollege den kleinen Jungen nicht aus dem Zwinger schickte. Allesamt standen sie dort staunend und hörten sich Klausis Geschichten an und beobachteten dieses „Schauspiel“.

Was für ein toller kleiner Junge!


In den nächsten Tagen freundete sich der kleine Klaus bei den Spaziergängen so richtig mit Pepper an und beide spielten und tobten miteinander, bis sich beide vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten konnte.

Aber auch alle anderen Tiere schienen diese Magie zu spüren und freuten sich immer, sobald sie Klausi sahen. Und auch der kleine Klaus war überglücklich.



Doch dann sollte sich plötzlich alles ändern, denn seine Mutter bekam neue Arbeitszeiten und konnte ihn nicht mehr ins Tierheim begleiten. Ohne sie durfte er aber nicht mit den Hunden spazieren gehen. Für Klaus brach eine Welt zusammen.

Weinend ging er zu Bett und drückte seinen Plüschhund an sich. Und wie schon so oft, kam ihm dieser im Traum zur Hilfe.

Klausi träumte davon, wie er seine Nachmittage im Tierheim verbrachte und den Pflegern bei der Arbeit half. Er half beim Säubern der Zwinger, spülte die Näpfe, machte Katzenklos sauber und noch vieles mehr. Und dabei schloss er Freundschaften mit jedem einzelnen Tier, das dort darauf wartete, adoptiert zu werden.

Voller Hoffnung wachte er am nächsten Morgen auf und erzählte seiner Mutter von seinem Traum. Doch diese sagte ihm, dass das leider nicht möglich sei, weil er noch zu jung für einen solchen Job war. Doch dann kam ihm der Zufall zur Hilfe, denn seine Mutter musste plötzlich für eine Kollegin einspringen und wusste nicht, wohin mit ihm. So fragte sie ihre Freundin Andrea, ob sie ihn nicht ausnahmsweise mal zu ihr ins Tierheim bringen könnte.

Und diese willigte freudenstrahlend ein, denn sie hatte Klausi mittlerweile so richtig ins Herz geschlossen.


Natürlich musste Klausi an Andreas Seite bleiben und durfte nicht auf eigene Faust durchs Tierheim tigern. Und da er ja schon von seinen Aufgaben geträumt hatte, fing Klausi von sich aus an, Katzenklos zu säubern, Näpfe zu spülen etc.

Andrea konnte über ihren kleinen Helfer nur staunen.

Als alle Arbeiten getan waren, durfte sich Klausi dann noch einmal zu Pepper in den Zwinger setzen. Die beiden kuschelten miteinander und als Klausis Mama kam, um ihn abzuholen, lagen Junge und Hund eng aneinandergeschmiegt und fest schlafend in Peppers Hundekörbchen.


Mit Tränen in den Augen erzählte sie dann ihrer Freundin, dass sie wegen ihrer Arbeit in Zukunft nicht mehr ins Tierheim kommen könnten. Auch Klausis Traum ließ sie dabei nicht aus. Wie gerne hätte sie ihrem Sohn doch diesen Wunsch erfüllt.

Und plötzlich hatte Andrea eine Idee. Natürlich durfte Klaus in seinem Alter noch nicht arbeiten. Aber mit den Tieren schmusen durfte er sehr wohl. So sprach sie mit dem Tierheimleiter, ob er, wenn sie die Verantwortung für ihn übernehmen würde, nicht täglich ein paar Stunden bei den Tieren verbringen könne. Und von da an wurde Klausi ein täglicher Gast im Katzen Zimmer.

Er spielte mit ihnen, streichelte sie und er erzählte…


Und immer, wenn er erzählte, wurden die Tiere ganz ruhig. Selbst der scheueste Tiger entspannte sich bei Klausis Worten. Alle ließen sich von ihm streicheln, selbst die, die die Pfleger nur mit Handschuhen anfassen konnten, wenn sie einmal zum Tierarzt mussten.

Selten hatten die Tierheimmitarbeiter einen so empathischen jungen Mann kennengelernt. Und oft fragten sie sich, woher er all die Geschichten dieser Katzen wusste, denn sie hatten sie ihm nicht erzählt.

Wie hätten sie auch ahnen können, dass Klausi mit einem moppeligen grünen Hund mit orangefarbenen Ohren und einer Klugscheißerbrille auf der Nase im Arm schlief, der ihn all diese Geschichten träumen ließ.


Und so sollte der kleine Klaus noch so manches Tier dort auf seinem Weg begleiten ...

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