• Karma-Klaus

Träumen mit Karma-Klaus

Ein anderes Leben


Am nächsten Tag, kurz bevor Klausi im Tierheim abgeholt wurde, kam ein Mann mit seinem Hund dort an. Beide sahen sehr traurig aus. Der Mann trug abgetragene, schmutzige Kleidung und auch der Hund hätte mal eine Dusche vertragen können.

Andrea führte die beiden in einen leerstehenden Raum, der gerne zu Quarantänezwecken benutzt wurde. Was mochte da wohl los sein? Auch wenn Klausi gerne noch gewartet hätte, um Andrea auszufragen, wollte seine Mutter gerne Feierabend machen und nach Hause fahren.


Natürlich konnte Klausi den Anblick des Mannes mit seinem Hund nicht mehr vergessen. Aber wie so oft erfuhr er ihre Geschichte im Schlaf ...

Der Mann und sein Hund lebten seit einigen Jahren auf der Straße. Unglückliche Umstände hatten den Mann in diese Situation gebracht, denn er verlor seine Arbeit und konnte seine Wohnung nicht mehr bezahlen. Bei der Suche nach einer günstigeren Wohnung, stieß er immer auf Vermieter, die keine Hundehaltung erlaubten. Aber von seinem Lucky wollte er sich in keinem Fall trennen. So nahm das Leben seinen Lauf und die beiden schliefen für eine Weile in einem Zelt in einem nahegelegen Wald. Zum Glück blieben sie unentdeckt, sodass sie wenigstens dieses Zelt als ihr Zuhause betrachten konnten. Tagsüber suchten sie nach Flaschen, die sie dank des Flaschenpfands zu ein paar Münzen machen konnten oder durchwühlten die Abfalleimer nach Essensresten. Soweit es ging, versuchten sie es zu vermeiden, andere Menschen anzubetteln. Das war oft nicht leicht, aber dank ein paar lieber Menschen, die ihnen dennoch immer ein bisschen Geld zusteckten oder etwas zu Essen abgaben, konnten sie sich einigermaßen über Wasser halten.

Doch dieser Winter zehrte an den Kräften des Mannes und so beschloss er, in einer Obdachlosenunterkunft Unterschlupf zu suchen. Das stellte sich aber für das Doppelpack sehr schwierig dar, denn die Heime wollten seinen Lucky auf keinen Fall auch aufnehmen.

Doch Dorit, die Frau von der Suppenküche, in der er manchmal zu Mittag aß, erinnerte sich daran, dass in solchen Fällen das hiesige Tierheim schon einmal aushalf. Und diese Möglichkeit wollte der Mann nun in Anspruch nehmen …



Klausi war sehr traurig als er kurz aufwachte. Gab es das wirklich, dass Menschen so lebten und dann auch noch gemeinsam mit ihrem Hund? Und wie mochte der arme Hund sich denn dann fühlen, wenn er kein wirkliches Zuhause hatte? Traurig drückte er seinen Karma-Klaus an sich und schlief weiter.

Wie der Hund sich in dieser Situation fühlte, sollte er in seinem nächsten Traum von Lucky selbst erfahren:


„ Mir geht es eigentlich ganz gut damit. Das Wichtigste, was ich brauche, bekomme ich von meinem Herrchen. Er liebt mich bis ans Ende der Welt und wieder zurück. Oft gibt er mir sein letztes Essen und verzichtet selber darauf. Wir haben einen Schlafsack, in den ich mich nachts zu ihm kuscheln darf, wenn ich friere – wir wärmen uns so ganz oft gegenseitig. Wir verbringen jede einzelne Minute miteinander und sind immer füreinander da. Was uns verbindet, ist unsere Liebe füreinander. Und darum fällt es uns gerade besonders schwer, dass wir von nun an abends getrennte Wege gehen sollen.“


In seinem Traum sah Klausi, wie Lucky traurig zusammengekauert in seinem Körbchen im Tierheim lag. Auch wenn für ihn dort Futter, Wasser und ein warmes Bettchen bereitstanden, fühlte er sich in dieser Nacht unglaublich alleine und er spürte, dass es seinem Herrchen nicht viel anders ging.


Als Klaus am nächsten Morgen aufwachte, war er sehr traurig und vor allem auch nachdenklich. Seine Mutter musste ihn mehrmals ansprechen, bevor er überhaupt wahrnahm, dass sie wissen wollte, was ihn so bedrückte.

Er erzählte von seinem Traum und fragte, ob denn so etwas tatsächlich möglich sein konnte. Solchen Menschen und auch ihren Tieren müsse doch geholfen werden …


Wie immer beeindruckt von dem Mitgefühl ihres Sohnes, machte sich Barbara so ihre Gedanken zu dem Thema. Als sie ihn an diesem Tag ins Tierheim brachte, hatte sie eine hochgefüllte große Tragetasche dabei. Den obdachlosen Mann hatte sie ja für einen kurzen Augenblick gesehen und sich überlegt, dass ihm die Kleidungsstücke ihres Mannes eigentlich passen müssten. Auch wenn sie nicht wusste, ob er an diesem Abend wiederkam, um seinen Hund im Tierheim abzugeben, hatte sie ihm lauter warme Anziehsachen in die Tasche gepackt. Ihr Sohn hatte wohl ähnliche Gedanken, denn er stieg an diesem Tag mit seiner blauen Lieblingsdecke ins Auto, die er Lucky schenken wollte. Die Decke war ein Geschenk von seiner Oma. Sie hatte sie ihm zu einer Zeit geschenkt, in der er abends nicht ins Bett gehen wollte, weil er damals Angst vor Geistern hatte. Die blaue Farbe sollte ihm Mut machen und die Kreise auf der Decke Schutz vor seinen Dämonen bieten. Vielleicht könnte sie auch Lucky Schutz bieten, wenn er sich nachts im Tierheim so verlassen fühlte.


An diesem Tag hatte Klausi seine Mutter Barbara gebeten, ihn etwas später abzuholen, damit er etwas Zeit mit Lucky und seinem Herrchen verbringen konnte. Als diese im Tierheim ankamen, waren sie sehr erstaunt darüber, von einem kleinen Jungen liebevoll begrüßt zu werden. Klausi gab dem Mann die Tasche mit den Anziehsachen, die seine Mutter für ihn zusammengelegt hatte und zeigte Lucky seine Lieblingsdecke, auf der er die nächsten Nächte schlafen würde. Der Mann war zu Tränen gerührt, denn so viel Mitgefühl begegnete ihm nur sehr selten. Und Lucky schien genau zu spüren, warum Klausi genau diese decke für ihn ausgesucht hatte.

Es waren eigentlich nur ein paar Kleinigkeiten, die für die beiden aber gerade die ganze Welt bedeutete.

Als Barbara abends im Tierheim ankam, um Klausi wieder abzuholen, wollte sich Luckys Herrchen gerade auf den Weg zu seiner Unterkunft machen. Dieses Mal wirkte er nicht ganz so traurig, seinen Hund dort im Heim alleine lassen zu müssen, auch wenn es ihm immer noch schwerfiel. Aber die Herzlichkeit des kleinen Jungen und auch die freundlichen Worte, die Barbara ihm zum Abschied mit auf den Weg gab, machten ihm etwas Mut. Es schien doch noch Menschen mit Herz zu geben.


Am Abend erzählte Barbara ihrem Mann von der ganzen Geschichte und wie sehr sich dieser Mann und der Hund doch über diese kleine Geste gefreut hatten.

Und wieder hatte ihnen Klausi einige Gedanken mit auf den Weg gegeben, denn Barbara und Jakob überlegten an diesem Abend noch lange, was man für solche Menschen tun könnte.

Und am nächsten Morgen, packte Barbara gemeinsam mit Klausi eine Tasche mit ein paar Leckereien für Mensch und Hund zusammen, die sie dem Obdachlosen fürs erste überreichen wollten …


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