• Karma-Klaus

Träumen mit Karma-Klaus

Drachenlachen


In den Jahren zuvor hatte Klausi sich keine Gedanken darüber gemacht, wie die Silvesternacht für die Tiere sein könnte. Doch als er am Silvestermorgen im Tierheim ankam, bemerkte er schon die große Unruhe.

Die ersten Knaller hatten schon für Angst gesorgt und viele der Tiere waren kaum zu beruhigen. Manche von ihnen kauerten voller Angst in einer Ecke und wollten sich selbst ihrem vertrauten Freund Klausi nicht zeigen.

Doch in diesem Jahr sollte es alles anders sein, denn der Verkauf dieser lauten stinkenden Dinger wurde verboten und so hörte man davon auch weit weniger.

Unter den Tieren verbreitete sich dann so nach und nach ein Gedanke. Ob man in der kommenden Nacht endlich mal wieder ein Drachenlachen hören könnte?

Ob die Menschen mit ihrem Radau und Gestank die Verbindung in die Anderswelt in diesem Jahr endlich einmal nicht übertünchen würden?

Würden sie vielleicht einen kurzen Kontakt zu ihren Liebsten auf der anderen Seite des Regenbogens aufnehmen können?

Klausi wunderte sich, warum die Tiere plötzlich doch alle so still wurden und sich auf den Abend zu freuen schienen.


Normalerweise blieben diese besonderen Momente den Tieren vorbehalten, doch Klausi ging schon vor dem Jahreswechsel ins Bett und drückte seinen moppeligen grünen Plüschhund mit den orangefarbenen Ohren und der Klugscheißerbrille auf der Nase an sich und träumte bis ins neue Jahr hinein:


In seinem Traum saß Klausi unter einer alten Eiche und schaute in einen sternenklaren Himmel. Um Mitternacht versammelten sich dann die Tiere des Waldes und auch seine Freunde aus dem Tierheim um ihn und schauten voller Liebe dem vollen Mond entgegen. Anstatt es krachen zu hören, erklang plötzlich ein fröhliches Lachen. Es hörte sich so hoffnungsvoll, so freundlich, fröhlich und auch lustig an, dass auch alle anderen Tiere zu lachen anfingen.

Und mit diesem Lachen wurden all die Wesen der Anderswelt hervorgelockt. Plötzlich erstrahlte der Himmel in einer Farbenpracht nicht ungleich eines Feuerwerks. Es leuchteten die Engel im Flug, Elfen und Feen streuten Sternenstaub und die Drachen spiehen Feuerfiguren in den Himmel. Gnome und Wichtel schienen am Himmelszelt zu tanzen und Trolle hielten ihren Schabernack.

Sie alle feierten in Einklang und lachten gemeinsam durch die Nacht. Und alle Tiere der Erde genossen diesen Moment des Friedens und der Freude. Niemand verspürte mehr Angst und alle waren sie voller Hoffnung, dass sie eines Tages gemeinsam mit den Menschen auf diese Weise feiern könnten. Aber dafür würden diese wohl noch einiges lernen und auf den Weg der Liebe zurückfinden müssen.

Und dann geschah das, was sich so viele der Tiere gewünscht hatten…

Ein lautes Drachenlachen erklang, dann fingen alle Tiere und auch das Volk der Anderswelt an zu singen.

„Somewhere over the Rainbow …“

Und dann plötzlich zeigte sich in der tiefsten Nacht ein Regenbogen am Himmel und jeder, der wollte, konnte mit seinen Ahnen Kontakt aufnehmen. Man verbrachte Zeit miteinander und plötzlich wussten alle Erdenkinder, die den Mut besaßen, einen Blick zu wagen, dass dort hinter der Regenbogenbrücke alles gut ist. Sie durften mit eigenen Augen sehen, dass dort jede Seele heil wird und voller Liebe und Vertrauen auf ihre neue Aufgabe wartet.

Dann plötzlich hörte man noch einmal ein lautes, fröhliches, aus dem Herzen kommendes Drachenlachen und dieser magische Moment war wieder vorbei.


Noch lange saßen alle Tiere dieser Welt andächtig mit dem Blick gen Himmel gerichtet und spürten in sich hinein, wie es eines Tages sein könnte, wenn die Liebe wieder in vollem Ausmaß auf die Erde zurückkehren würde.

Wenn wieder jeder auf den anderen Rücksicht nehmen würde. Wenn Mitgefühl und Sensibilität wieder als Tugend und Stärke angesehen würden. Wenn Empathie nicht nur ein Wort wäre, sondern wahres Einfühlungsvermögen bedeuten würde.

Wenn aus Gegeneinander wieder ein Miteinander werden würde,

wenn aus Wut Freundlichkeit würde,

wenn die Liebe endlich alle Ängste besiegen würde.


Für diese eine besondere Silvesternacht war all dies zu spüren. Man musste sich nur darauf einlassen – auf das himmlische Drachenlachen!



Als Klausi am Neujahrsmorgen aufwachte, lag noch das Glitzern des Sternenstaubs in der nach Pansenpups riechenden Luft und auch sein Karma-Klaus erstrahlte noch in einem hellen Leuchten. Wie so oft sprang er aus dem Bett, um seinen Eltern von seinem Traum zu erzählen. Doch dieses Mal sagten sie, dass es nur ein schöner Traum gewesen wäre, denn so etwas würde es nicht geben.

Doch als sie an diesem Tag zum Tierheim fuhren, zeigten sich am Wegesrand alle Arten von Wildtieren, die man dort sonst nie sah. Sie alle schienen von einem Leuchten umgeben zu sein. Dem Leuchten der Hoffnung.

Und wenn man seine Ohren spitzte, konnte man aus der Ferne ein Lachen hören. Klausis Eltern nahmen es nicht wahr, doch der kleine Klaus wusste ganz genau, dass es Drachenlachen war!



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