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Image by Galina N

Der August bei Foteini

Monatsrückblick August 2023


Hallo Ihr Lieben,

der August bei Foteini war wie ein Fass voller Emotionen. Manchmal braucht es gar nicht viele neue „Geschichten“, um auch den erfahrensten Tierschützer aus der Bahn zu werfen. Manchmal reicht eine und manchmal reihen sie sich aneinander.


Anfang August wurde Foteini bei Sotiria um Hilfe gebeten. Eine Freundin hatte gesehen, dass eine Hündin, die auf der Straße umherirrte, einen riesigen Knubbel unter ihrem Bauch trug. Foteini holte die Hündin ab und stellte sie mehreren Tierärzten vor. Durch die Trächtigkeit der Hündin hatte sich ein Milchstau gebildet, weswegen die Zitze so extrem angeschwollen war, doch nicht nur das, sie hatte zudem noch drei tote Babys im Bauch. Hätte Foteini sich nicht gekümmert und sie schnellstmöglich operieren lassen, hätte die kleine Hündin nicht mehr lange überlebt. Zum Glück hat Sotiria sich von der schweren Operation doch relativ schnell und gut erholt.


Noch am selben Tag kam die kleine Palina zu Foteini. Nachdem ihre Geschwister von jemandem eingefangen und ins Auto gepackt wurden, irrte die kleine Palina ganz alleine durch die Straßen. Sie drohte überfahren zu werden, als eine Frau sie gerade noch einfangen konnte. Sie selbst konnte das etwa 1,5 Monate alte Hundekind aber nicht behalten und telefonierte Hilfe suchend einigen Leuten hinterher, doch blieb erfolglos, bis sie schließlich bei Foteini landete. Und Foteini erklärte sich bereit, dieses wundervolle kleine Mäuschen aufzunehmen.


Nur wenige Tage später klingelte bei Foteini wieder das Telefon und dieses Mal bat ihre Tante um Hilfe. Sie hatte zwei Straßenhündinnen gesehen, bei denen sie befürchtete, dass sie bald wieder Welpen bekommen würden. Als sich nach Anfrage bei der Stadt, wie so oft niemanden fand, der dabei helfen würde, die Hündinnen einzufangen und zum Kastrieren zu bringen, zogen Foteini und Panagiotis früh morgens los, fingen die beiden Mädels ein und brachten sie zum Tierarzt. Als Foteini die Hündinnen dann sah, wurde ihr aber auch gleich etwas leichter ums Herz, denn es waren die Mama und die ältere Schwester von Colette, von denen sie dachte, sie seien im Juli vergiftet worden. Die beiden, Maria und Vasia, erholten sich nach der Kastration noch ein paar Tage bei Foteinis Tante, mussten danach aber leider wieder zurück auf die Straße. Aber zumindest wird von nun an ihr Leben etwas leichter und ruhiger sein, weil die Rüden ihnen nicht mehr hinterherjagen.


Doch die nächste arme Seele wartete schon zwei Tage später auf der Straße. Foteini war unterwegs um ihre Nichte zu besuchen, als sie ein von Räude geplagtes Hundemädchen auf der Straße sah. Sie hatte sich fast den kompletten vorderen Teil ihres Körpers kahl- und wundgekratzt. Leider hatte Foteini in diesem Moment keine Tabletten dabei und konnte ihr nur etwas Futter dalassen. Als sie in den nächsten Tagen wieder nach der Hündin suchte, um sie mit den nötigen Medikamenten zu versorgen, war sie leider nicht mehr auffindbar.


Foteini fällt es immer sehr schwer, die Gedanken an solch leidgeplagte Hunde loszulassen. Doch immer wieder kommt es vor, dass sie nicht helfen kann. Und selbst wenn sie weiter versucht es doch irgendwie möglich zu machen, kommt auch oft schon der nächste Hilfeschrei …

So auch dieses Mal. Die Frau, die ein Rudel Straßenhunde mit Futter versorgt, bat sie um Hilfe wegen ein paar neuer Welpen im Rudel. Acht Welpen waren es, die durch fehlende Kastrationen nun schon wieder hinzugekommen waren. Eine überaus frustrierende Situation. Nicht nur, dass der Frau die Mittel für die Kastration fehlen und die Behörden die Augen vor der Situation verschließen, sondern auch, weil Foteini schon viel zu oft erst dann gerufen wurde, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen war. Wie oft wäre sie bereit dazu gewesen, mit den Kastrationen zu helfen und wie oft wurde sie erst dann gerufen, wenn dann plötzlich ein paar Welpen umherliefen. Natürlich könnte man jetzt sagen, man sollte die Welpen einfach weiterhin auf der Straße bei ihrem Rudel lassen, doch leider ist das nicht ganz so einfach. Bleiben sie dort, beschweren sich die Anwohner und „verschwinden“ die Hunde nicht in naheliegender Zeit, werden sie entweder von städtischen Mitarbeitern eingefangen und in ein öffentliches Shelter, wie dieses Höllenshelter in den Bergen, indem sie wegen grottenschlechter Versorgung kaum eine Überlebenschance haben, gebracht oder die Leute legen Gift aus. Welche Gefühle in solchen Situationen in Foteini toben, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Wie oft bedeuten ihre Entscheidungen Leben oder Tod für die Tiere? Wie oft muss sie Unmögliches möglich machen? Und wie oft hätte es im Vorfeld schon vermieden werden können, wenn sich jemand für die Kastrationen zuständig gefühlt hätte. Und wenn man diese Welpen dann sieht, ist man oft so entzückt von diesen wunderschönen Hundekindern, dass man das Leid schon bald wieder aus den Augen verliert. Denn natürlich haben sie es jetzt, wo sie den Weg ins Leben gefunden haben, auch verdient glücklich zu werden. Und diese Chance haben sie Foteinis Entscheidung, sie trotz aller widrigen Umstände doch aufzunehmen, zu verdanken. Also musste wieder einmal alles zusammenrücken, um für Ozzy, Pierro, Dario, Burger, Daria, Mona, Jerry und Simeon Platz zu schaffen.


Wer Foteini kennt, weiß wie sehr sie solche Situationen aufwühlen. Doch als sie gerade dachte, schlimmer könnte es gerade nicht werden, gab es eine Großaktion mehrerer griechischer Tierschützer. Mir fällt es schon schwer davon zu erzählen, doch wie mögen sich die Menschen fühlen, die dabei gewesen sind? Foteini wurde zum Haus der Frau gerufen, die für Rusty schon vor eine Weile um Hilfe gebeten hatte. Bis dahin kannte Foteini nur einen Blick von außen auf das Grundstück, das, wenn sie zuvor dort vorbei kam, soweit sauber aussah. Das Haus hatte sie nie betreten … Sie wusste nicht, dass diese Frau längst die Kontrolle über ihr Leben verloren hatte und sich der anfängliche Gedanke, Tieren zu helfen, sich in ein Horrorszenario gewandelt hatte …

Als die Frau dann ins Gefängnis kam, sollten die Tiere aus dem Haus geholt werden. Den Anblick, als die Gruppe Tierschützer das Haus betraten, werden sie wohl nie mehr im Leben vergessen. Das Haus, der Fußboden, eigentlich alles war nur ein einziger Teppich aus Kot und Urin. Unvorstellbar, wie krank man sein muss, um darin leben zu können. Doch die Frau wohnte dort, gemeinsam mit 50 Katzen im Haus und 14 Hunden auf dem Grundstück. Die meisten Tiere waren krank und mussten medizinisch versorgt werden. Die Tiere wurden von verschiedenen Tierschützern sichergestellt und auch Foteini nahm zwei der Hunde auf, Rusty und Irma. Ich kann nur hoffen, dass es den Tieren bald wieder gut geht und sie dieses Trauma hinter sich lassen können. Und der Frau, egal, was alles über sie gemunkelt wird, wünsche ich, dass sie gute psychologische Hilfe erhält. Wie einsam und alleine muss sie mit all ihren Problemen gewesen sein, um in ein so tiefes Loch zu fallen? Aber auch den Tierschützern, die in dieser Situation geholfen und die Tiere aus diesen unvorstellbaren Zuständen befreit haben, wünsche ich, dass sie es schaffen, mit dieser Situation fertig zu werden. Es gibt diese Dinge im Leben, die man nie wieder vergisst, Bilder, die einen für immer verfolgen, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Erlebnis so manch einem noch lange zu schaffen macht. Susanne und ich haben Foteini im Hintergrund erlebt und uns fehlten die Worte. Uns fehlten die Worte zum Trost und auch die Worte um ihr Kraft zu geben. Wir konnten nur fassungslos „da sein“ uns die Bilder anschauen und ihr zuhören bzw. lesen, was Foteini auf dem Herzen hatte. So von Emotionen überrannt und schockiert haben wir sie in all den Jahren nicht erlebt.


Wie klein kommt einem da plötzlich eine Geschichte wie die von Parker vor?

Parker kam zu Foteini, weil seine Familie ihn nicht mehr haben wollte. Als Welpe wurde er für die Kinder angeschafft und als diese ihr neues Spielzeug satt hatten, landete er ohne Zuwendung und Auslauf im Garten, bis man ihn dann komplett aus den Augen haben wollte. Und wie es so oft der Fall ist, hätte Foteini ihn nicht genommen wäre er auf der Straße gelandet …



Mir persönlich waren das dieses Mal zu viele der neuen Geschichten. Ich habe damit selbst schon einiges zu verarbeiten, alleine vom Schreiben und Miteinfühlen. Ich kann mich immer nur wieder wundern, wie Foteini und ihre beiden Männer und überhaupt all diese engagierten Tierschützer vor Ort das durchstehen, ohne daran zu zerbrechen, wenn es mir schon so schwer fällt, nur darüber zu schreiben. Man kann ihnen einfach nur danken und mit Hochachtung begegnen. Und zu all diesen Geschichten kommt dann noch der „ganz normale“ Tierschutzalltag …


Im August konnten zu den beiden Straßenhündinnen noch Sandy und Barbouni kastriert werden und es gab auch einige Glückskinder, die zu ihren Familien reisen durften und damit ein bisschen Licht ins Dunkle brachten. Wir wünschen den Fellnasen Chloe, Odette, Gretel, Lizeta, Zafira, Layla, Ranger, Raffie, Speranza, Smaragda, Amor, Fokas, Lillibet und Perlita ein wunderschönes Leben im neuen Zuhause, welches sie dank des Vereins Stray Einsame Vierbeiner gefunden haben.


Wir, damit meine ich alle, die Foteini treu zur Seite stehen, unterstützen Foteini mit Herzblut und manchmal blutet uns das Herz. Aber so vieles könnte sie erst gar nicht machen, wenn sie nicht so wundervolle Menschen an ihrer Seite hätte, die sie zum einen finanziell unterstützen und ihr zum anderen immer wieder Mut machen, indem sie ihr zeigen, wie sehr sie ihre Arbeit wertschätzen.

Danke an euch alle!


Goodbye August, welcome September <3

Ich wünsche uns allen einen entspannten Monat

und schicke euch herzliche Grüße

Eure Ute


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